Der große Lauschangriff

Das FBI plant Echtzeit-Überwachung von E-Mails und Chats

Mittwoch, 27.03.2013, 22:4, Quelle: Focus.de

dpa Einem US-Medienbericht zufolge plant das FBI Chats und E-Mails in Echtzeit überwachen zu lassen

Die US-Bundespolizei drängt auf Überwachung der Internetkommunikation in Echtzeit. Der Realtime-Lauschangriff soll vor allem User von Gmail, Google Voice und den Cloud-Speicherdienst Dropbox treffen.

Einem US-Medienbericht zufolge plant das FBI Chats in Echtzeit überwachen zu lassen. Noch sind der Bundesbehörde die Hände gebunden, doch das soll sich bald ändern. Wie Die Seite „Slate.com“ berichtet, soll das FBI noch in diesem Jahr Befugnis erhalten, alle Formen von Internetgesprächen in Echtzeit zu hacken. Es soll sich dem Bericht zufolge um die Dienste von Gmail, Google Voice und Dropbox handeln.

Das Magazin bezieht sich dabei auf den Leiter der FBI-Rechtsabteilung, Andrew Weissmann. Dieser habe auf einer Konferenz in Washington in einem Vortrag auf die stärkere Überwachung des Internets gedrängt. Im Blick des FBI sei dabei die Kommunikation in sozialen Netzwerken. „Diese Kommunikation wird für kriminelle Gespräche genutzt“, sagte Weissmann. Bislang können nur auf die Archive von E-Mail-Konten zugegriffen werden. Grundlage dafür ist das Überwachungsgesetz „Communications Assistance for Law Enforcement Act“ von 1994.

Kreuzzug gegen Kriminelle

Wie „Slate.com“ weiter berichtet, gibt es bereits eine rechtliche Grundlage. Durch CALEA seien Telekommunikationsanbieter verpflichtet, Überwachungsmöglichkeiten in ihren Netzen zu installieren. Doch müsse das FBI erst Anfragen an die Unternehmen stellen. Außerdem können die Agenten Gmail-Nachrichten nicht abfangen, weil sie zwischen dem Computer eines Benutzers und Google Servern SSL verschlüsselt sind. Auch hier können Realtime-Lauschangriffe nur auf Nachfrage erfolgen.

Dem FBI genügt das nicht, schreibt das Magazin, weil ihm die nötige Power fehlt, um Echtzeit-Abhörmaßnahmen zu starten. Die Behörde will schneller werden. Deshalb habe die Echtzeitüberwachung im Kreuzzug gegen Kriminelle in diesem Jahr oberste Priorität. Was genau die Bundespolizei plant, wollte Weissmann nicht sagen.